Seit 2024 darf der Netzbetreiber neue Wallboxen, Wärmepumpen, Klimageräte und Speicher über 4,2 kW bei Engpässen kurz herunterregeln. Dafür muss er jeden Anschluss annehmen, und Sie zahlen weniger Netzentgelt. Was das für die Technik im Haus bedeutet, steht hier auf einen Blick.
Recherchierte Angaben, ohne Gewähr. Zusammengestellt aus den Seiten der Bundesnetzagentur und mehrerer Netzbetreiber (Stand Oktober 2026). Jeder Netzbetreiber setzt § 14a in seinen Technischen Anschlussbedingungen (TAB) und Mindestanforderungen (TMA) etwas anders um. Maßgebend ist immer Ihr Netzbetreiber; vor dem Kauf oder Einbau dort nachlesen oder die Elektrofachkraft fragen.
Das Wichtigste in einer Minute
> 4,2 kW
Wer betroffen ist
Ab 1.1.2024 in Betrieb genommen: private Ladepunkte (Wallbox), Wärmepumpen samt Heizstab, Klimageräte und Batteriespeicher beim Laden aus dem Netz. Mehrere Wärmepumpen oder Klimageräte zählen zusammen. Öffentliche Ladepunkte und Nachtspeicher sind ausgenommen.
4,2 kW
Nie ganz aus
Reduziert wird nur bei drohender Überlastung und nur so lange wie nötig, auf mindestens 4,2 kW je Gerät. Das reicht für rund 50 km Reichweite in zwei Stunden. Licht, Herd und Kühlschrank sind nie betroffen.
Pflicht
Anschluss garantiert
Der Netzbetreiber darf eine neue Wallbox oder Wärmepumpe nicht wegen möglicher Netzengpässe ablehnen oder verzögern. Anmelden muss sie die Elektrofachkraft trotzdem vorher (NAV § 19).
110–190 €
Weniger Netzentgelt
Als Ausgleich gibt es Modul 1 (Pauschale im Jahr), Modul 2 (60 % weniger Arbeitspreis mit eigenem Zähler) oder zusätzlich zu Modul 1 das Modul 3 (zeitvariable Preise mit Smart Meter).
2 h/Tag
Übergang: präventiv
Solange ein Netzbetreiber noch nicht messen kann, darf er übergangsweise bis zu 24 Monate lang höchstens zwei Stunden am Tag vorbeugend reduzieren, danach nur noch nach echtem Netzzustand.
2028
Bestandsanlagen
Vor 2024 ohne Steuerung angeschlossen: dauerhaft frei, freiwilliger Wechsel möglich (nicht rückgängig). Mit altem Steuervertrag: alte Regeln bis 31.12.2028, dann neue. Tausch der Wärmepumpe beendet den Bestandsschutz.
So wird die Wallbox geschaltet
Der Netzbetreiber schickt nur einen Höchstwert für den Bezug. Wie er ankommt, hängt von der Wallbox ab. Drei Wege sind üblich, die Netzbetreiber bevorzugen zunehmend den digitalen.
Relaiskontakt an den Steuereingang
Die Steuerbox schaltet einen potenzialfreien Schließer. Er geht auf eine Klemmleiste im anlagenseitigen Anschlussraum und von dort mit einer zweiadrigen Steuerleitung an den Eingang der Wallbox, der „Freigabe“ oder „reduziert“ versteht (bei vielen Herstellern „Downgrade“- oder „Enable“-Eingang).
EWE Netz nennt für die Kontakte 12 bis 250 V und 0,1 bis 1 A. Darunter ist die Kontaktgabe unsicher.
Muss das Signal umgekehrt oder auf mehrere Geräte verteilt werden, kommt ein Koppelrelais aus dem gemessenen Bereich dazu, nie direkt am Steuergerät.
Notlösung ohne Steuereingang: Schütz in der Zuleitung. Ganz abschalten genügt rechtlich, die Wallbox muss danach aber selbst weiterladen.
EEBus über Netzwerkkabel
Die Steuerbox spricht EEBus (Anwendungsfall „Begrenzung der Leistungsaufnahme“, kurz LPC). Übergabepunkt ist eine RJ45-Buchse auf der Hutschiene, von dort Cat-5-Kabel oder besser zur Wallbox oder zum Energiemanager.
Gekoppelt wird über die Kennung (SKI) des Geräts, die beim Netzbetreiber hinterlegt wird.
Bleibt das Lebenszeichen der Steuerbox aus, fällt die Wallbox auf einen sicheren Wert (Failsafe), üblicherweise die Mindestleistung für zwei Stunden.
Netze BW und EWE Netz nennen EEBus als Mindeststandard bzw. bevorzugt, bis dahin wird per Relais gesteuert. Über einen Switch lassen sich bis zu vier Geräte anbinden.
Energiemanager verteilt ein Gesamtbudget
Statt jedes Gerät einzeln zu steuern, bekommt ein Energiemanagement-System (EMS) ein Budget für den ganzen Netzanschluss und teilt es selbst auf Wallbox, Wärmepumpe und Speicher auf.
Eigener PV-Strom darf zusätzlich genutzt werden, nur der Bezug aus dem Netz ist begrenzt.
Bei mehreren Geräten sinkt die zugesicherte Mindestleistung über einen Gleichzeitigkeitsfaktor (siehe Rechner unten), dafür steuert das EMS klüger.
Ideal, wenn ohnehin PV, Speicher und Wallbox zusammenspielen sollen.
Was der Netzbetreiber in den Zählerschrank setzt
Moderne MesseinrichtungDer digitale Zähler. Für Modul 2 kommt ein zweiter Zähler nur für Wallbox oder Wärmepumpe dazu.
Smart-Meter-GatewayMacht den Zähler zum intelligenten Messsystem und bringt das Steuersignal sicher ins Haus. Pflicht für Modul 3.
SteuerboxSteuereinheit nach FNN-Lastenheft, hängt am Gateway. Gibt den Höchstwert per Relais oder EEBus weiter. Übergangsweise auch ein Rundsteuer- oder Funkempfänger.
Ihr Teil: Klemmleiste und RJ45Die Elektrofachkraft setzt Klemmleiste (Relais) und RJ45-Buchse (EEBus) auf die Hutschiene im anlagenseitigen Anschlussraum und verlegt die Leitungen zu den Geräten.
Platz einplanen. Netze BW verlangt für die Steuerbox ein plombierbares Steuergerätefeld mit mindestens 12 Teilungseinheiten; der Raum für Zusatzanwendungen beim Dreipunktzähler (8 TE) reicht dort nicht. Zwischen Gateway und Steuergeräteplatz gehört ein Datenkabel mindestens Cat 5. Laut Stromnetz Berlin kosten Steuerbox und intelligentes Messsystem zurzeit rund 30 € bzw. 50 € im Jahr (Preisobergrenzen nach Messstellenbetriebsgesetz).
Mobile Wallbox: hier gehen die Meinungen auseinander
Netze BW: ausdrücklich erfasst
„Anmeldepflicht und Steuerbarkeit gelten auch für mobile Ladegeräte.“ Die Elektrofachkraft meldet die CEE-Steckdose, an der geladen wird, als Inbetriebsetzung und sorgt für die Steuerbarkeit.
BNetzA und viele andere: nicht geregelt
Die Bundesnetzagentur und die meisten Netzbetreiber sprechen nur von „privaten Ladepunkten“. Ob eine Steckdose mit mobilem Ladegerät dazugehört, lassen sie offen.
Schuko mit Ladeziegel (meist 2,3 kW, höchstens 3,7 kW): liegt unter 4,2 kW und ist allein nicht steuerpflichtig.
CEE 16 A mit mobiler Wallbox (11 kW): über 4,2 kW. Sicher ist: Steckdose anmelden und steuerbar machen, etwa über ein Gerät mit Steuereingang oder EEBus.
Ohne Schnittstelle: Schütz vor der CEE-Steckdose, das die Steuerbox schaltet. Das Ladegerät muss nach der Pause von selbst weiterladen.
Wie viel bleibt beim Reduzieren?
Grob überschlagen nach der Festlegung der Bundesnetzagentur (BK6-22-300). Die genaue Mindestleistung legt der Netzbetreiber fest.
Netzentgelt: Modul 1, 2 oder 3
1
Pauschale
Fester Betrag im Jahr, je Netzbetreiber zwischen etwa 110 und 190 €. Kein zweiter Zähler. Gilt automatisch, wenn Sie nichts wählen.
2
60 % weniger Arbeitspreis
Das Netzentgelt je kWh sinkt auf 40 %, ohne Grundpreis. Braucht einen eigenen Zähler. Lohnt sich bei viel Verbrauch, etwa bei der Wärmepumpe.
3
Zeitvariabel, zu Modul 1
Seit April 2025: drei Preisstufen (niedrig, standard, hoch) zu festen Uhrzeiten, in mindestens zwei Quartalen. Braucht ein Smart Meter und gilt für den ganzen Hausverbrauch.
Modul 1 oder 2? Kurz überschlagen
Netzbetreiber im Vergleich
Gleiches Gesetz, andere Umsetzung. Hervorgehoben ist, was vom üblichen Bild abweicht. Preise brutto für Haushalte in der Niederspannung, Werte aus den Preisblättern 2026 (Stuttgart Netze: 2025, kein 2026er Blatt gefunden).
niedrigstandardhochweicht ab
Sekundärquelle bedeutet: Werte aus einer Zusammenstellung (14a-atlas.de), das Preisblatt selbst war nicht abrufbar; Bruttowerte daraus mit 19 % gerechnet. Fehlt ein Wert, haben wir ihn nicht sicher gefunden.
Vorschläge zur Umsetzung
Neubau oder neue Wallbox
Beides vorsehen
Wallbox mit EEBus und Steuereingang wählen, Cat-Kabel und zweiadrige Steuerleitung vom Zählerschrank mitziehen, Steuergerätefeld freihalten. Dann passt es zu jedem Netzbetreiber, auch nach dem Wechsel von Relais auf digital.
Wallbox ohne Schnittstelle
Schütz oder Nachrüstmodul
Ein Schütz in der Zuleitung, geschaltet vom Relais der Steuerbox, erfüllt die Pflicht (ganz aus ist erlaubt). Komfortabler: Nachrüstmodul oder Energiemanager, der die Wallbox über Modbus oder OCPP auf 4,2 kW drosselt.
Wärmepumpe
Nicht die alte EVU-Sperre
Der frühere Sperrkontakt schaltet stundenlang ganz ab. § 14a verlangt nur ein Reduzieren auf 4,2 kW (große Anlagen 40 %). Hersteller nach der §-14a-Funktion fragen (EEBus oder Eingang „Leistungsbegrenzung“), den Heizstab getrennt einbinden.
PV, Speicher, Wallbox, WP
Ein Energiemanager
Ein EMS mit EEBus nimmt das Budget an und verteilt es; eigener Solarstrom zählt nicht mit. Offene Lösungen wie evcc unterstützen die FNN-Steuerbox bereits über EEBus.
Für die Elektrofachkraft
Vor dem Einbau
TAB und TMA des Netzbetreibers lesen, Hausanschluss für Dauerlast prüfen, im Portal vor Inbetriebnahme anmelden (Leistung, Ladepunkte, Art der Steuerung, Zählernummer). Die Modulwahl läuft über den Stromlieferanten.
Bestand
Erst rechnen, dann wechseln
Ohne alten Steuervertrag ist man dauerhaft frei. Ein freiwilliger Wechsel bringt das Netzentgelt-Modul, lässt sich aber nicht zurücknehmen. Mit dem Rechner oben vergleichen.
Quellen (abgerufen Oktober 2026)
Regelwerke sinngemäß wiedergegeben, nicht wörtlich. Festlegungen der Bundesnetzagentur BK6-22-300 (Steuerung) und BK8-22/010-A (Netzentgelte) vom 27.11.2023.